Star Trek offiziell vernichtet? Alex Kurtzman bis 2026 am Ruder

Schlechte Nachrichten haben mich dieser Tage erreicht. Alex Kurtzman, seit 2017 für alle Star Trek-Serien verantwortlich, wird bis mindestens 2026 am Ruder sein. Zeit genug, Star Trek endgültig den Garaus zu machen. War die Faschismusverherrlichung in Discovery nur der Anfang?

CBS hat dieser Tage wieder Schreckliches verkündet. Alex Kurtzman, seines Zeichens talentfrei, wird bis mindestens 2026 hauptverantwortlich für alle Star Trek-Serien sein. Eigentlich sollte sein Deal nur bis 2023 laufen, aber es kam zu Nachverhandlungen und in diesem Zuge hat man gleich einen neuen Fünfjahresvertrag aufgelegt. Kurtzman spielte es offenbar in die Karten, dass andere Serienverantwortliche ihre Auftraggeber zuletzt um Rekordsummen brachten. Wie die New York Times berichtet, ist Kurtzmans neuer Deal nun 160 Millionen US-Dollar schwer. 2018 hatten Kurtzman und seine Produktionsfirma, Secret Hideout, gerade mal eine 25-Millionen-Dollar-Vereinbarung abgeschlossen.

Angesichts der schleimigen PR-Phrasen, die das neue Arrangement begleiten, möchte man als Fan der Utopie Roddenberry gleich wieder abhauen. George Cheeks, CEO von CBS, schwurbelt: „Alex‘ Vision für und seine Leitung des Star Trek-Franchise sowie seine Fähigkeit, künstlerische und kommerzielle Serien über alle Plattformen hinweg zu schaffen, machen ihn zu einem erstklassigen kreativen Talent. Seine beachtlichen Leistungen bei CBS und der Geist der Zusammenarbeit, den wir mit seinem Team genießen, werden sehr geschätzt, und wir freuen uns darauf, auch in der Zukunft auf seiner bereits beeindruckenden Liste bauen zu können.“ Wer einen Fetisch für Lobgesänge hat, kann sich weitere PR-Phrasen gerne beim Hollywood Reporter raussuchen. Im Original hört sich das auch nicht ganz so verqasselt an wie die deutsche Übersetzung.

Alex Kurtzman und Star Trek: Eine seltsame Mischung

Executive Producer Kurtzman wird in den neuen Ankündigungen nachgesagt, dass er ein Händchen für gute Geschichten und speziell das Star Trek-Franchise hätte. Beides halte ich für ein Gerücht. Und so droht er Fans auch schon kräftig: „Wenn es nur nach mir ginge, würde ich die Grenze noch weiter verschieben, als es die meisten Menschen wollen würden. Und ich denke, wir werden diesen Punkt erreichen. Marvel hat gezeigt, dass man das kann. Zunächst musst du aber erst einmal das Fundament aufbauen und wir sind immer noch dabei, dieses Fundament zu legen.“

Marvel hat also gezeigt, so so. Erstrahlt vielleicht deswegen seit Discovery alles in generischer Einheitsoptik? Geriert sich Burnham aus diesem Grund wie eine verkappte Superheldin? Nichts für ungut, Alex. Aber lass Marvel mal lieber Marvel und Star Trek Star Trek sein. Nicht alles muss nach dem stets gleichen Comic-Franchise stinken. Dabei finde ich Marvel sogar ganz okay. Es ist halt ein Superheldenfranchise und als solches vor allem auf Schauwerte und Heldwerdungsgeschichten ausgelegt. Dafür, dass es Comic-Sülze ist, hat Disney auch ganz solide Autoren am Start. Kurtzman nicht.

Alex Kurtzman liebt bösartige Charaktere

Und was die Grenzen angeht, die angeblich immer weiter ausgelotet gehören: Hat Discovery da mit seiner Faschismusverherrlichung nicht schon den absoluten Tiefpunkt erreicht? Ich rede von der milliardenfachen Mörderin, die man für einen Völkermord an den Klingonen anheuert und sie dann als Hass- und Hetzweib auf der Discovery belässt. Und natürlich auch für die Drecksarbeit. Und um sich mit Burnham anzufreunden. Und um Männer dumm dastehen zu lassen. Eine schöne neue Welt hat Kurtzman da geschaffen.

Aber ja, es geht schlimmer. Die Hitlerfreundin bekommt nämlich auf absehbarer Zeit ihr eigene Serie. Section 31 soll der Stuss heißen. Lang schien die Serie in der Versenkung verschwunden zu sein, klammheimlich eingestellt. Kurtzman ließ unlängst jedoch durchblicken, dass Section 31 trotz Pandemie-bedingter Verzögerungen lebt. Hetzschriften, äh, Drehbücher lägen bereits vor.

Ich kann mir auch ohne Kenntnis dieser Scripte denken, worum es in der x-ten Kurtzman-Serie geht. Sisko, Bashir und O’Brien hatten Sektion 31 seinerzeit aktiv bekämpft. In STD ist sie nun offizieller Arm der Sternenflotte, zuständig fürs Derbe. Das hätte Star Trek-Vernichter Kurtzman verständlicherweise ausgebaut. Dabei hatte DS9 seinerzeit abgesteckt, dass es sich bei Sektion 31 um einen dezentralen, inoffiziellen, nur einer winzigen Minderheit bekannten Verein handelt. Derartige Details scheren Kurtzman jedoch einen feuchten Kehricht. Er wird hinterher einfach wieder alles mit einem Verbot erklären. So begründet er auch die bis ins 32. Jahrhundert reichende Abhängigkeit von Dilithium – verfügbare Alternativtechnologien wurden kurz vor dem von einem plärrenden Kind ausgelösten „Burn“ verboten. Auch über die Discovery, ihren Sporenantrieb und die Burnham-Gestörte darf im 23. Jahrhundert niemand mehr sprechen.

Wann geht ViacomCBS pleite? Wird man nur so Alex Kurtzman los?

Ich fürchte, wir werden Kurtzman erst los, wenn Viacom pleitegeht. In der Tat spielt man da gerade ein riskantes Spiel. Corona-bedingt war jetzt eineinhalb Jahre fast der komplette Absatzmarkt Kino praktisch tot. Und während die Branchenriesen Netflix, Disney Plus und Amazon Prime Video kräftig mit Streaming verdienten, konnte man mit dem hauseigenen Streaming-Dienst CBS All Access keinen Stich gegen die Konkurrenz landen. Auch die Ausweitung des Angebots, möglich durch die Wiedervereinigung von Viacom und CBS, hob das hauseigene Streaming-Angebot bisher nicht aus der Nische. Doch man hat große Pläne.

Seit der Umbenennung von CBS All Access in Paramount+ schlägt der bisher vor allem auf Nordamerika begrenzte Dienst nun nach und nach in anderen Märkten auf. Lukrative Märkte sind allerdings noch nicht darunter. So gibt es für Deutschland zum Beispiel bis heute keinen Release-Termin. Jüngst verbuchte man erst einen größeren Rückschlag: Wegen neuer Kartellgesetze werden die Streamingdienste Peacock und Paramount+ bis auf weiteres nicht zusammengelegt. Man will sich erst anschauen, wie sich die neuen Gesetze auf andere Fusionen auswirken.

Streaming-Dienst Paramount+: Alex Kurtzman soll es mit Star Trek richten

Der größte Makel von Paramount+ ist jedoch, dass er bis heute keine echten Zugpferde hat, außer die inhaltlich belanglosen Star Trek-Serien. Hier soll es mit der Schlagzahl nun deutlich nach oben gehen. Neben STD Staffel 4 entstehen gerade Picard Staffel 2 und gerüchteweise auch Staffel 3, Lower Decks Season 2, die Kinderserie Star Trek: Prodigy, die Pike-Serie Star Trek: Strange New Worlds (Season 1 wurde gerade fertiggedreht), die offenbar noch nicht gedrehte Hitlerscheiße Section 31 und vermutlich noch einiges mehr. Die New York Times berichtet sogar von einer Serie an der Sternenflottenakademie, die bereits im Jahr 2018 erwähnt wurde, aber inzwischen eingestellt schien.

Überdies verweist Kurtzman, als es um die auszulotenden Grenzen geht, auf einen Entwurf von Graham Wagner, in dessen Mittelpunkt der Klingone Worf steht. Es handelt sich hierbei nicht etwa um die von Michael Dorn oft geforderte Captain-Worf-Serie, sondern um Comedy. Kurtzman bezeichnet sie als „unglaublich lustig, ergreifend und berührend“. Bestätigt, dass der Pitch tatsächlich in Serie geht, hat Kurtzman allerdings nicht.

Alex Kurtzman macht nicht nur Star Trek: Hoffnung auf Überforderung

Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass der neue Deal mit Kurtzman und seiner Produktionsfirma Secret Hideout nicht nur auf Star Trek beschränkt ist. So arbeitet Kurtzman offenbar auch an einer Serienadaption von „Der Mann, der vom Himmel fiel“ und der Kurzgeschichte „The New York Times at Special Bargain Rates“.

Das muss man Kurtzman also lassen. Umtriebig ist er und damit steigt die Hoffnung, dass er wenigstens eine der kommenden Star Trek-Serien an fähige Leute weiterdirigiert. Und damit meine ich gewiss nicht Akiva Goldsman oder Michael Chabon, die Picard gegen die Wand gefahren haben. Es müsste schon eher eine Art Mike McMahan sein. Für die, die es nicht wissen: McMahan ist der kreative Kopf hinter der Zeichentrickserie Lower Decks. Und Lower Decks ist auch eine ziemlich coole Serie. Sie bleibt als Quatsch-Comedy aber nur ein nettes Anhängsel, kein Ersatz für echtes Star Trek, das Kurtzman uns jetzt schon seit 2009 schuldig bleibt.

Was meint ihr? Ist Star Trek unrettbar verloren. Kommt es uns vielleicht zugute, dass Kurtzman sich übernimmt? Oder findet ihr Kurtzmans dystopisches Star Trek sogar geil? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.

Zusätzliche Bildnachweise: Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0), U.S. Air Force, CBS

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