Star Trek der Holzköppe könnte im August begraben werden

Zum Thema Star Trek hört man dieser Tage interessante Gerüchte aus Insiderkreisen. Es geht darin um nicht weniger als die Wiedervereinigung von CBS und Viacom. Warum das so wichtig ist? Es könnte endlich wieder echtes Star Trek statt Kurtzmans Reboot-Sülze geben.

Als CBS und Viacom vor über einem Jahrzehnt getrennte Wegen gingen, zerriss man auch das Star Trek-Franchise in zwei Hälften. Die Rechte an den Serien verblieben bei CBS. Viacom und sein Filmstudio Paramount sicherten sich die Kinorechte am Franchise. Wirklich sauber soll die Trennung aber nie über die Bühne gegangen sein, was mit als Grund für einen Jahre andauernden Clinch gilt.

Vereint im Kampf gegen Fans

Geschlossenheit demonstrierte man zuletzt nur im Kampf gegen die Fanbase. Der Feldzug gegen Axanar artete derart aus, dass kurzerhand alle ambitionierten Fanprojekte verboten wurden. Offiziell sind Fanfilme und Co. zwar noch erlaubt, mit dem neuen Regelwerk aber faktisch nur noch im Rahmen laienhafter Kammerspiele. Auch abseits der Fanfilme gab es Opfer zu beklagen. Zu den prominentesten zählt die begehbare Enterprise D auf Basis der Unreal Engine.

2009 brachte Paramount den ersten Film der sogenannten Kelvin-Zeitlinie auf die Kinoleinwand. Es war das erste Mal in der Geschichte von Star Trek, dass ein Produkt nicht länger im offiziellen Kanon ansiedelt, sondern in einer eigens dafür geschaffenen, parallel laufenden Zeitlinie. CBS auf der anderen Seite blieb fast ein Jahrzehnt lang untätig. Seltsamerweise ließ man den kompletten Serienboom, wie in Streaming-Anbieter und Spartensender losgetreten hatten, ungenutzt. Offenkundig gab es Verträge, die CBS ein eigenes Projekt lange Zeit untersagten. J.J. Abrams soll zwischenzeitlich mal ein Serienprojekt geplant haben. Er kam jedoch nicht zum Zuge, weil sein Vertragspartner Paramount eben nur die Kinorechte innehat.

Ende 2017, ein Jahr nach dem 50. Geburtstag der Marke, flimmerte endlich wieder eine Serie von CBS über die Bildschirme. Discovery versprach vieles, bescherte Fans aber in erster Linie Kummer. Trotz der Finanzierung auf dem Niveau von Game of Throns kam nicht viel mehr als ein wirrer Supergirl-Verschnitt raus. Auch optisch mussten Fans einige bittere Pillen schlucken. Zehn Jahre vor Kirk vermittelte alles den Eindruck, als wolle man selbst Picard um ein volles Jahrhundert überholen. Sicher, man würde 2017 kein Karnevals-Make-up mehr auftragen oder Kulissen aus Baumarktpappe zusammenzimmern. Aber mussten es wirklich Holokommunikation und futuristische Supertechnik wie Sprungantrieb und Zeitreiseanzug sein? Und mussten selbst liebgewonnene Aliens jeden Wiedererkennungswert vermissen lassen?

Verträge verbieten vertraute Elemente

Einige Monate später, nach einer furchtbar debilen Attrappe von Handlungsbogen, versuchte man Fans mit einem Cliffhanger-Auftritt der Enterprise bei Laune zu halten. Auch die sah nicht so aus wie gewohnt, kam dem Original aber wenigstens nah genug, um ihr den dargestellten Zeitrahmen abzukaufen. John Eaves, der Designer der Neuinterpretation, verkündete später, dass er das Schiff 25 Prozent anders hatte aussehen lassen müssen. Aus lizenzrechtlichen Gründen. CBS reagierte natürlich prompt und gelobte hoch und heilig, dass man alle Rechte am Franchise innehat. Doch Eaves Aussage hatte sich da längst verbreitet. Bis heute hält sich das Gerücht hartnäckig.

Aus gutem Grund. Es ergibt ohne die Lizenzfrage nämlich gar keinen Sinn, dass man nicht mal bei Hintergrundgrafiken oder Easter Eggs bekannte Elemente zur Schau stellt. Warum findet man zum Beispiel nirgends im Hintergrund mal ein Modell vergangener Serien, sagen wir der NX-01 aus Enterprise oder der Friendship One aus Voyager? Zitiert wird ja inzwischen auch reichlich Altes. Selbst gut gealterte Masken wurden über den Haufen geworfen. So nehmen sich die Talosianer, das einzige Volk aus der Originalserie, das optisch gut gealtert ist, in STD wie menschenähnliche Nashörner aus. Ursprünglich hatte die jedoch ihre zierliche Erscheinung ausgezeichnet. Man kann es drehen und wenden, wie man will: CBS darf ganz offensichtlich keine vertrauten Elemente nutzen.

Wiedervereinigung angeblich im August

Im Netz branden immer wieder unbestätigte Meldungen zur Lizenzfrage auf. Insidern zufolge darf CBS tatsächlich kein echtes Star Trek fortsetzen. Kelvin und Prime sind demzufolge nur Kunstbegriffe für eine komplett neue, von Paramount beziehungsweise Bad Robot verwaltete Lizenz. Star Trek endete folglich 2005 mit der letzten Folge von Star Trek: Enterprise. Prime maßt sich zwar an, die echte Zeitlinie fortzusetzen, wäre nach unbestätigter Lesart jedoch ein komplett eigenes Universum. Prime-Picard, den wir Ende des Jahres bei Amazon sehen werden, würde nur eine Adaption des ursprünglichen Charakters darstellen; eine Neuinterpretation für ein Produkt, das sich ausreichend vom Bisherigen unterscheiden muss.

Die Causa Kurtzman untermauert diese Argumentation. Der Drehbuchautor, Regisseur und Produzent hat schon die Reboot-Filme inhaltlich wie finanziell an die Wand gefahren. Warum sollte ihn nun ausgerechnet CBS als neuen Star Trek-Obermacker anheuern, wenn nicht aus vertraglichen Gründen? Früher schon hat er gemeinsam mit Roberto Orci und seinem Ziehvater J.J. Abrams jedes ihm anvertraute Franchise vernichtet. Heute tut er das mit einer eigens gegründeten Firma vermeintlich im Alleingang für CBS. Mutmaßlich ist Kurtzmans Secret Hideout aber nur ein Ableger der von J.J. Abrams gegründeten und bereits für die Reboot-Filme verantwortlichen Produktionsfirma Bad Robot. Kurtzman wäre demzufolge ein Vasall Abrams‘. Jemand, der in seinem Sinne darüber wacht, dass sich Discovery und Folgeserien weit genug von Star Trek unterscheiden.

Gerüchte, dass dieser Lizenzunsinn ein Ende haben könnte, gab es immer wieder. Nun sind sie sogar zum Hollywood Reporter durchgedrungen. Der will von Insidern erfahren haben, dass die Angelegenheit noch im August unter Dach und Fach sein wird. Sollten Viacom und CBS bis dahin wirklich wieder eins sein, wird hoffentlich auch Kurtzman abserviert. Und mit ihm Star Trek: Discovery, das schlecht geschriebene Plagiat eines Steam-Spiels.

Immer wieder Kurtzman

Überhaupt soll es zwischen Kurtzman und CBS schon länger brodeln. Wegen der vielen inhaltlichen Mängel gab es bekanntlich schon mehrere Showrunner-Wechsel. Fuller, Berg, Harberts und zuletzt Paradise. Nur Kurtzman hat bisher jede Krise überstanden. Die Qualität wird aber nicht besser. Im Gegenteil: Das Finale der zweiten Staffel erwies sich als neuer Tiefpunkt der Serie. Auch Netflix soll mit Discovery extrem unzufrieden sein. Beklagt würden inhaltliche Mängel und ein ausuferndes Budget, das in keinem Verhältnis steht. Kurze Zeit, nachdem das Gerücht die Runde machte, ließ CBS die Katze aus dem Sack: Star Trek: Picard erscheint nicht auf Netflix.

Das nächste Gerücht drehte sich um den Rauswurf Kurtzmans. Später wurde es noch mal dahingehend relativiert, dass er nur noch für das große Ganze verantwortlich sein soll, aber nicht mehr alle kreativen Zügel in den Händen hält. Wie zur Bestätigung wurde wenige Tage später Michael Chabon als Executive Producer für Star Trek: Picard angekündigt. Gehalten wird Kurtzman offenkundig nur noch durch Verträge, deren Bruch CBS teuer zu stehen käme. Doch das Problem könnte sich, stimmen die neuesten Gerüchte, bald erledigt haben. Dann bräuchte es niemanden mehr, der über eine Alternativlizenz wacht.

Ich gebe zu, dass viel Wunschdenken bei mir im Spiel ist. Kurtzman gehört genauso abserviert wie so mancher Politker. Er kann es nicht, hat es noch nie und ich würde einen duraniumverstärkten Besen fressen, sollte sich daran jemals etwas ändern. Fraglich wäre natürlich, ob man sich einen weiteren Neustart finanziell zutraut oder nur mit größerem Spielraum an den Symptomen doktert. Star Trek: Discovery soll schließlich eine der teuersten Serien aller Zeiten sein und darauf aufbauende Projekte längst in der Mache. Am Ende könnte die Lizenzfrage und damit auch Kurtzman zwar vom Tisch sein. Doch sein schädliches Treiben könnte noch einige Zeit nachwirken. Schlimmstenfalls hat sich bereits ein irreparabler Trümmerhaufen aufgetan.

Zusätzliche Bildnachweise: Gage Skidmore (CC BY-SA 2.0), U.S. Air Force, CBS

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