Star Trek: Discovery 2×14 in der Kritik – oder warum Alex Kurtzman das Schreiben endlich an den Nagel hängen sollte

Stellt euch vor, ihr sitzt gemütlich in der Bar und plötzlich hackt sich der Wirt die rechte Hand ab. „Leider konnte mein Arzt den Handkrebs schon letzte Woche heilen“, sagt er dabei gleichmütig. Um euch herum heben nun alle anerkennend ihr Glas hoch. Hinterher beschließt Merkel, dass alle beteiligten Personen für tot erklärt und Äxte nie erfunden werden. Bescheuert, nicht wahr? Doch genau so funktioniert Storytelling nach Alex Kurtzman-Art.

Eins muss man Alex Kurztman und seiner unbegabten Schreibertruppe lassen: Wie man eine Geschichte gegen die Wand fährt, beherrschen sie in Vollendung. Jedes Mal, wenn man denkt, bescheuerter kann es gar nicht mehr kommen, passiert genau das. Man könnte auch blind und taub und völlig verblödet sein; die Logiklöcher im Staffelfinale “Süße Trauer – Teil 2/Such Sweet Sorrow – Part 2” würden einem trotzdem noch sofort ins Auge springen oder in dem Fall in die Nase – oder meinetwegen auch durch die Windel tropfen.

Zwei gegen 30

An der bereits windigen Prämisse hat sich seit dem Ende der letzten Folge nichts geändert. Control, eine skynetartige KI ohne erkennbare Motive, will die Discovery erobern, um sich mit der Alien-Bibliothek auf dem Schiff ein Bewusstsein zu verschaffen (Bitte mal googlen Alex, was ein Bewusstsein ist, das hat sie nämlich längst!). Nun steht die knapp 30 Schiffe starke und von Control übernommene Marvel-Flotte von Sektion 31 also vor der Tür. Ihr gegenüber lediglich die U.S.S. Enterprise und die U.S.S. Discovery – mit ihnen ein 200 Jäger und Kampfshuttle starkes Geschwader, das neuerdings zur Standardausrüstung jedes Sternenflottenraumschiffs zählt und sich im Hangar ziemlich klein gemacht haben muss. Sektion 31 ließ sich natürlich nicht lumpen und hat ebenfalls reichlich Kampfjäger an Bord. Eine Übermacht, wie sie im Buche steht. Nichtsdestotrotz halten die Enterprise und Discovery die ganze Folge stand. So lange dauert die Schlacht nämlich, zumindest fast.

„Der Funk ist gestört, verdammt, nun können wir keinen mehr rufen“, konstatiert irgendwer siedendheiß. Tja, das hätte man in der letzten Folge längst machen können. Der Föderationsraum ist zehn Minuten weit weg, Sarek kam schließlich auch noch eben für eine rührselige Szene angeflogen. Aber das hatten wir schon.

Burnham ist wie Iron Man

Wunderlich auch, dass die Schiffe erst anfangen zu feuern, als Saru und Pike ihre aufgeblasenen Reden runtergespult haben und sich der von Control in einen Terminator verwandelten Leland noch schnell mit gehässigen Sprüchen auf der Leinwand präsentiert. Wie gesagt, sehr viel Persönlichkeit für eine KI ohne Bewusstsein.

Als die Schlacht endlich tobt, baut ein Team um Burnham eilig den Iron Man-Anzug zusammen. Burnham nutzt den Anzug später, um von Shuttles und Kampfjägern umringt zu irgendeiner Plattform zu fliegen, von der man Spock, der neben ihr in einem Shuttle hockt, später durch aktivierte Schilde hindurch wegbeamen kann. Warum also erst den Iron Man geben? Von der Plattform, wo auch immer die herkommt, will sie die Zukunft anwählen. Doch der Anzug verweigert jede Eingabe.

Mach gefälligst das Fenster zu

Zwischenzeitlich wird die Enterprise von einem 30 Meter langen Hypermegaphotonentorpedo getroffen, der in der Hülle stecken bleibt. Er droht das Schiff vollständig zu vernichten, wenn ihn nicht ausgerechnet Admiral Cornwell, von Beruf übrigens Therapeutin, entschärft. Klappt nicht, also muss sie sich opfern. Alles steht und fällt mit einer Glastür, die man nur von innen verriegeln kann. Pike kommt extra noch runter, um ihr traurig dabei zuzusehen, wie sie den Hebel nach unten zieht und der Torpedo detoniert. Dabei fliegt tatsächlich die Hälfte der Untertassensektion in die Luft. Pike allerdings bleibt, unmittelbar neben der Explosion, unverletzt, weil die Glastür aus der Wand gefahren kommt. Gott sei Dank gibt es Glastüren!

Gegen Mitte der Folge kommen Klingonen zur Hilfe geeilt. Auch Qo’noS liegt offenbar um die Ecke. Tyler, der die Flotte anführt, war erst vor ’ner Stunde dahin aufgebrochen und entschuldigt sich nun, dass es länger gedauert hat, die Kanzlerin zu überzeugen. Alex Kurtzman hält an dieser Stelle seine Zuschauer wieder mal für minderbemittelt. Zwei Folgen zuvor konnte Tyler nicht auf den Klingonenplaneten mit den magischen Zeitkristallen beamen, weil er Anfang der Staffel für tot erklärt wurde. Die Kanzlerin hatte seine Ermordung (Hat mich verraten!) zwecks Machterhalt vorgetäuscht. Das spielt plötzlich keine Rolle mehr. Tyler steht jetzt wie selbstverständlich auf der Klingonenbrücke und schmettert Befehle auf Nuschelklingonisch.

Alle helfen, nur die eigenen Leute nicht

Ebenfalls zur Hilfe eilt Sarus Schwester mit anderen Kelpianern in marvelartigen Liegegleitern. Zwei Wochen vorher fungierte sie auf ihrer Heimatwelt noch als Voodoopriesterin im Urwald. Die Kampfflieger der Ba’ul, die sie als Wilde aus der Lehmhütte erstaunlich schnell zu fliegen gelernt hat (Buh, Satanswerk diese Technik, hieß es noch vor 14 Tagen), dürften davon ab wenig ausrichten. Die Ba’ul haben den Warpantrieb gerade erst erfunden. Wenn man bedenkt, dass die Erde noch Jahrzehnte nach dem ersten Warpflug mit Frachtern durchs All schaukelte, die nicht mal Warp 2 schafften und nur popelige Geschütze aufboten, ist dieses Entwicklungstempo ein weiteres Phänomen für sich. Aber so ist das nun mal mit der Kurtzman-Logik. Bloß nicht zu viel nachdenken, sonst fängt man sich eine Hirnhautentzündung ein.

Da kommt Spock eine Idee. Burnham kann das Wurmloch in die Zukunft deswegen nicht öffnen, weil sie diejenige sein muss, welche die mysteriösen Signale der vorherigen Folgen überhaupt erst platziert hat. Ohne die in dem Zusammenhang geknüpften Kontakte hätte man ja jetzt keine Hilfe der Klingonen und Kelpianer, keinen Zeitkristall, keine unterwegs aufgegabelte Ingenieurin usw. Der Anzug hat also eine Art Questgeber verbaut – wie in einem Videospiel (Bringe mir drei Wolfsfelle und du erhälst eine Sehne, mit der dir Gustavson einen Bogen spannt. Den brauchst du, um Gulugal zu besiegen. Anschließend hast du bei Staffelführer Hackfresse einen gut und darfst in die Burg). Tatsächlich wehrt sich der Anzug nun nicht mehr und sie kann in die Vergangenheit fliegen.

So springt sie unter anderem zum 50.000 Lichtjahre entfernten Terra Llysium, um dort eins der ominösen Signale zu platzieren. Warum dem in einer Dreiviertelstunde zusammengeschusterte Anzug diese Fähigkeit innewohnt, bleibt offen. Sie kann mit dessen Hilfe jede Zeit und jeden Ort erreichen und dabei die extrem fortschrittlichen Signale absetzen, von denen man Anfang der Staffel noch dachte, sie stammen von Lebensformen weit jenseits unserer Vorstellungskraft. Gehässige Zuschauer wussten von Anfang an, dass es Mary Sue Burnham sein würde. Fans der Serie, die es anscheinend wirklich gibt, nannten diese Prognose Bashing. Aber auf Alex Kurtzman ist nun mal Verlass.

Tod der KI reine Effekthascherei

Leland beamt zwischenzeitlich rüber, um die Datenbank an sich zu reißen. Dabei stellt sich ihm Georgiou mit einer anderen „starke Frau“ in den Weg. Leland beschimpf beide sexistisch. „Verpisst euch, Frauen!“ oder so was war`s – das habe ich nicht erfunden. Die beteiligten Autorinnen und Produzentinnen hatten an der Stelle wohl wieder was zu verarbeiten. Seltsamerweise erleben wir jetzt bestimmt zehn Minuten Sparring. Dabei war es doch so, dass Leland, seit ihn Control übernommen und in einem Terminator verwandelt hat, auch übermenschliche Kräfte besitzt. Jetzt nicht mehr. Er stirbt, weil ihn Nazibitch Georgiou (im Spiegeluniversum töte sie mehr intelligente Lebewesen als Hitler und Stalin zusammen, verspeist sie sogar) nach endlosem Tamtam in die Sporenkammer lockt und ein Magnetfeld aktiviert. „Haha, jetzt wirst du elendig verrecken“, ruft sie dabei voller Genugtuung. Eine KI, die nicht nur sexistisch ist, sondern auch qualvoll stirbt? Wie war das noch mit dem angeblich nicht vorhandenen Bewusstsein?

Hätte man nicht wenigstens versuchen können, den echten Leland irgendwie zu erreichen? Nicht bei STD. Dort würde man wohl auch Hugh, Locutus und Seven of Nine einfach abmurksen. Warum steckt die gesamte KI eigentlich in Leland? Neulich war sie noch auf mehreren Schiffen präsent. Nun ist der ganze Code mit Leland verknüpft und wir erfahren, dass er die Schiffe nur ferngesteuert hat. Dumme, dumme K(I).

Zeitsprung ohne Sinn und Verstand

In die Kammer lockte Georgiou Control/Leland übrigens mit der überspielten Datenbank. Genau, die kann man nun doch wieder übertragen, obwohl sie, offenbar ebenfalls mit Bewusstsein, die Discovery zuvor noch gehackt hatte und jeden Lösch- und Übertragungsversuch unterband. Dadurch wurde der ganze Quatsch mit dem Zeitsprung (müssen das Schiff aus der Zeitlinie schaffen!) überhaupt erst in Gang gesetzt. Sollte Kurtzmans Zielgruppe wirklich so dämlich sein, das innerhalb einer Folge zu vergessen?

Idiotischerweise öffnet Burnham nach Erfüllung aller Quests, mehrere Signale bleiben dabei ungeklärt, das Wurmloch und stürzt hinein – und die Discovery hinterher. Trotz Controls Ableben springt man also in die Zukunft. Vor wem flüchtete man noch gleich? Die Notwendigkeit dahinter wird einfach als gegeben hingestellt. Die Idee machte so schon keinen Sinn, weil man mittels Sporen ja auch weit weg hätte springen und sich was Schlaues hätte überlegen können. Nun gibt es erst recht keinen Grund, aber man reist trotzdem in die weit entfernte Zukunft. Kurtzman wollte es halt so. Der Mann ist ein Visionär, entrückter als Jesus, also haltet gefälligst den Rand!

Lasst uns nie mehr darüber sprechen

Am Schluss sind alle traurig ob des erbrachten Opfers. Offiziell wird die Discovery für zerstört erklärt und man beschließt, nie wieder über das Schiff zu sprechen. Die Idee kommt übrigens von Spock, der uns aus dem Off erklärt, seine Schwester nie wieder zu erwähnen. Man versteht nur nicht wieso. Sie gilt als tot und das wird man doch wohl noch sagen dürfen? Außerdem: Burnham war in Staffel 1 die böse, flottenweit verhasste Kriegsverbrecherin. Wie kann man eine so prominente Person nun einfach für nie geboren erklären? Dasselbe bei der Crew der Discovery. Alle ausnahmslos Waisen ohne Freunde und Kontakte? Vielleicht ist die Föderation neuerdings ein faschistisches Regime. Reichsführer Spock hat gesprochen. Aufmüpfige an die Wand. Föderationsland, Sieg long and prosper!

Kurtzman hatte vorher angekündigt, alle Kanonprobleme im Finale der zweiten Staffel von STD auszuräumen. Das war nun also seine Erklärung. Man spricht nicht mehr drüber und jeder hält sich dran. Die Sporentriebwerke werden nie wieder erwähnt, auch keine andere Spezies wird sie jemals erfinden, so toll die Möglichkeit, sich überall hinbeamen zu können, auch sei. Ich weiß nicht, warum Kurtzman uns für so bekloppt hält. Er überträgt wohl von sich auf andere.

Kurtzman darf weiter wüten!

Auffällig jedenfalls, dass die Folge auch als (grottenschlechter) Abschluss hätte funktionieren können. Anscheinend stand zum Zeitpunkt der Entstehung tatsächlich die Absetzung im Raum. Verdient hätte der Quark es allemal, aber wir werden die dritte Staffel leider erleben. Kurtzman gab sich bereits erleichtert, endlich außerhalb des Kanons, 950 Jahre in der Zukunft, Unheil stiften zu können. Warum hat er im Zeitalter der Originalserie überhaupt erst rumgewütet? Der Typ ist halt ein Spinner.

Spock hat er vorher jedenfalls noch richtig durch den Dreck gezogen. Burnhams Opfer und sinnstiftende Rede hat dem bis dahin verklemmten und teils überemotionalen Trottel erst zu dem gemacht, den wir lieben gelernt haben. Er wäre ohne die schlecht geschrieben Heulboje sogar schon als Kind gestorben. Zeitsprung und so. Herr, lass Hirn regnen – oder jag‘ Kurtzman besser einen Blitz hinterher. Meine „Mängelliste“ ist nicht mal vollständig, sondern behandelt nur die gröbsten Schnitzer. Was stimmt mit dem Mann nicht?

Verantwortliche bei CBS, entlasst Kurtzman endlich wie schon die anderen gescheiterten Showrunner. Legt eine Guideline auf, die ihm und Personen aus seinem Umfeld jedes weitere Wirken an Star Trek verbietet, stellt Discovery ein, streicht den Quatsch aus dem Kanon und fang von vorne an. Sucht euch gute Autoren und Showrunner. Nehmt auch ein Beispiel an Serien wie The Expanse. Star Trek ist verdammt noch mal nicht Supergirl im Weltraum, erst recht keine Lite-Variante davon.

Zusätzliche Bildnachweise: Netflix

12 Kommentare zu „Star Trek: Discovery 2×14 in der Kritik – oder warum Alex Kurtzman das Schreiben endlich an den Nagel hängen sollte

  1. Als Gene Tos durchgesetzt hatte,gab es Star Trek noch gar nicht. Am Ende lag Herr Kurtzman sicher noch in den Windeln. Dafür kann er natürlich nichts. Aber jetzt so tun, als ob er das Werk Gene Roddenberrys weiter führen kann, ist schlicht eine Anmaßung. Dieser Mensch hat den Sinn der Serie leider nicht kapiert. Paramount Pictures sollte einen anderen suchen. Ich hab jetzt schon Angst vor der dritten Staffel. Aber Star Trek gehört zu meinem Leben.

    1. Ich war selbst noch nicht geboren, als TOS rauskam, das kann man, wie du sagst, wirklich keinem zu Vorwurf machen. Ich halte Kurtzman auch nicht für einen schlechten Menschen, auch wenn er mich manchmal wütend macht und ich schon mal verärgert böse Zeilen in die Tastatur haue. Aber er sollte sich wirklich nicht an Star Trek austoben dürfen. Er wäre in einer der schlechteren Comic-Serien viel besser aufgehoben.

      Vor der dritten Staffel habe ich auch Angst, aber als Star Trek-Fan verabschiedet man sich halt auch nicht einfach vom Franchise. Da bin ich ganz bei dir. Man kann nur hoffen, dass Kurtzman irgendwann weg vom Fenster ist.

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