Review zum Auftakt von Star Trek: Discovery Staffel 3: „That Hope Is You/ Ein Zeichen der Hoffnung, Teil 1“

Die erste Folge der dritten Staffel von Star Trek: Discovery macht es sich ziemlich einfach: Aus unerklärlichen Gründen ist alles Dilithium explodiert und Alternativen zum Warpantrieb wurden passenderweise kurz vorher verboten und vergessen. Als Heilsbringer kommt Burnham aber gerade recht. Mein Review zum Staffel-3-Auftakt „That Hope Is You/ Ein Zeichen der Hoffnung, Teil 1“.

„That Hope Is You/ Ein Zeichen der Hoffnung, Teil 1“ – Zusammenfassung der Handlung

Zwei Jacke-wie-Hose-Schiffe beschießen einander. Über Funk tauschen ihre Piloten Gehässigkeiten in einer Star Wars-Sprache aus, die der Universalübersetzer kurioserweise nicht übersetzt, der menschliche Pilot von beiden aber fließend beherrscht. Da knallt ihm aus heiterem Himmel Michael Burnham in ihrem Engelsanzug auf die Haube. Sie und der Mensch stürzen auf einen Planeten und während der Angreifer spurlos verschwindet, darf Burnham erst einmal Wunden lecken.

Das Wurmloch, aus dem sie kam, zeigt sich noch am Himmel. Doch die Discovery taucht zu ihrem Entsetzen nicht auf. Kurz vorm Heulen befiehlt sie ihrem Engelsanzug, das Wurmloch zu stabilieren und sich im Anschluss selbst zu zerstören. Ferngesteuert fliegt er dann auch in den Weltraum – und jagt sich in die Luft. Das Wurmloch flackert kurz auf, verschwindet, aber immer noch keine Spur von der U.S.S. Discovery.

Discovery Staffel 3 Review: Erst mal die Messer ziehen

Nach einem grotesk gespielten Wechselbad der Gefühle kommt es zum ersten Zusammentreffen zwischen Burnham und dem noch namenlosen, menschlichen Piloten. Da er sie für seinen Absturz verantwortlich macht, attackiert er sie in Tötungsabsicht erst einmal mit dem Messer. Schnell haben sich beide aber doch irgendwie lieb. Burnham hat nützliche Antiquitäten dabei und einen 1.000 Jahre alten Tricorder kann man doch sicher gewinnbringend verkaufen.

Zu Fuß erreichen sie eine Stadt, die frappierend an Guardians of the Galaxy erinnert. Wachleute wollen der aufdringlichen Zukunftsretterin die Pforten zunächst aber nicht öffnen. Die wertvollen Relikte überzeugen dann doch. Natürlich haut Burnhams neuer Freund Cleveland “Book” Booker sie bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit übers Ohr: Er fesselt sie mit einer Elektropeitsche und nimmt auch den Rest ihrer Ausrüstung an sich.

Burnham mordet in Staffel 3 willkürlich

Dumm für Burnham, dass die Händler sich von ihr die angepriesenen Antiquitäten erhoffen. Da sie nicht mehr liefern kann, nehmen die Wächter sie nun in Gewahrsam. Und weil sie nur widerwillig antwortet, verpasst man ihr eine Staubwolke LSD. Unter Einfluss von Drogen redet sie selbst für ihre Maßstäbe ziemlich dumm daher.

Zur selben Zeit kommt es zum Wiedersehen von Book und den im Teaser abgewimmelten Feindpiloten. Das folgende Geplänkel bringt Burnham und Booker wieder zusammen, die jetzt in trauter Zweisamkeit ein halbes Dutzend Aliens verdampfen, obwohl Burnham an der Stelle noch gar nicht wissen kann, wer Freund und wer Feind ist.

In den folgenden Minuten springt man mit einem Transporter von der Größe einer Taschenuhr von einer Position zur nächsten, bis man irgendwo unter Wasser materialisiert. Angeblich sei man da nicht zu orten. Es stellt sich heraus, dass Book in seinem getarnten Schiff einen Riesenwurm transportiert, der die dann doch aus dem Nichts kommenden Gegner zerkaut und herunterwürgt. Auch Burnham wird verschlungen, aber natürlich nicht mit den Zähnen zerbissen. Stattdessen spuckt der Wurm sie wie eine Scheußlichkeit wieder aus. Book kann mit dem Vieh offenbar reden. Und er beschwört mit einem Gebet, das arabisch klingt, magische Blumen aus dem Nichts. Nützlich ist die an Haargel erinnernde Heilsalbe, die das Kraut ejakuliert.

Book ist doch kein Böser, sondern eine Art Walretter, der die Viecher auf einen Planeten bringt, wo man sie in Ruhe lässt. Ohne Föderation macht so was ja sonst keiner. Abschließend fliegt er Burnham zu einer Bruchbude von Raumstation, auf der ein Herr mittleren Alters einsam hinter seinem Schreibtisch hockt. Dort harrt er schon seit 40 Jahren aus, auf dass endlich wieder ein echter Sternenflottenoffizier hereinschneit. Mit Michael Burnham findet er seinen Götzen.

Discovery Staffel 3 Review: Einige Beobachtungen

In der Zusammenfassung ließ ich bewusst ein paar Sachen weg, damit ich sie im folgenden Teil genauer auseinandernehmen kann. Kommen wir zunächst zur Prämisse. Dass die Föderation größtenteils verschwunden ist, war ja nicht neu. Ich und auch andere vermuteten, dass irgendwas vorgefallen sein wird. Omega war dabei als Subraumkiller ein heißer Kandidat. In der STD-Folge wurde der Niedergang der Vereinigten Föderation der Planeten nun damit erklärt, dass vor 120 Jahren ohne erkennbaren Grund ein Großteil der Dilithiumkristalle explodierte. Also bereits Mitte des 31. Jahrhunderts.

Dilithium sollte im 32. Jahrhundert veraltet und kein Grundnahrungsmittel sein

Aus meiner Sicht ist das eine ziemliche Bullshit-Erklärung. Im Auftakt der dritten Staffel „Ein Zeichen der Hoffnung, Teil 1“ tut man so, als seien Dilithiumkristalle die einzige Möglichkeit, um überlichtschnelles Reisen zu ermöglichen. Für die Nichtnerds: Besagte Kristalle dienen bei klassischen Warpantrieben dazu, die Materie-/Antimaterie-Reaktion zu kontrollieren. Allerdings wird in der Folge selbst gesagt, dass es noch Dilithium gibt, nur eben nicht mehr das Meiste. Aber anscheinend noch genug, um sich auf dem Schwarzmarkt damit einzudenken. Also hätte die Föderation auch Beschränkungen erlassen und das Reisen mit Warp bis zu einer sinnvollen Lösung deutlich zurückfahren können.

Dagegen scheint der Angstfaktor gesprochen zu haben. Weil man sich die Zerstörung fast allen Dilithiums nie erklären konnte, ließ man lieber die Finger davon. Im Laufe der Zeit hörte die Föderation dann einfach auf zu existieren. Doch das Reisen mit Dilithium funktioniert anscheinend schon seit 120 Jahre wieder; seit „The Burn“ beziehungsweise „dem Brand“. Book fliegt mit Burnham sogar mittels Warp oder dem kurz erwähnten Quanten-Slipstream – wegen 0815-Star Wars-Effekt optisch nicht mehr auseinanderzuhalten – zu seinem Quatschplaneten.

Darüber hinaus sind Dilithiumkristalle eben nicht die einzige Möglichkeit für überlichtschnelles Reisen. Nehmen wir nur die Romulaner. Die betreiben ihren Warpantrieb mit einer künstlichen Quantensingularität. Durch Voyager wissen wir, dass die Föderation im 29. Jahrhundert Raum-Zeit-Spalten öffnet und über räumliche und zeitliche Grenzen hinweg beamen kann. Star Trek: Enterprise hat uns gelehrt, dass die Föderation im 31. Jahrhundert Zeitportale hat. Daniels konnte die 225 Meter lange NX-01 sogar aus einer sich auflösenden, falschen Zeitlinie in die eigentliche zurückversetzen. Und doch soll im 32. Jahrhundert alles an der breiten Verfügbarkeit von Dilithium scheitern?

Kurtzmans Holzhammer der Talentbefreiten

Aber ich vergaß Alex Kurtzmans Holzhammer. Als Burnham Book erzählt, dass sie aus der Vergangenheit kommt, antwortet der, dass nach den Temporalen Kriegen alle Zeitreisetechnologie verboten und zerstört wurde. Die Fähigkeit, durch den Raum zu reisen, wohl ebenfalls? Und überhaupt: In den Star Trek-Serien gab es so viele Akteure, dass die Annahme, es würden sich alle an so ein Verbot halten, völlig abwegig anmutet. Nun, wo die Föderation nichts mehr zu melden hat, sollte sie das erst recht sein. Also wäre es ja eigentlich schlau, solche Technologie zu behalten und nicht – passenderweise kurz vor einem Weltenbrand – aufzugeben und niemals wieder zu erfinden. Sobald auch nur eine der zahllosen Spezies die Vergangenheit wieder zu ihrem Vorteil ändert, würde man zwangsläufig eingreifen müssen. Oder wenn es versehentlich passiert. Star Trek-Kenner wissen um die Regelmäßigkeit derartiger Versehen.

Kurtzmans Holzhammer hat mittlerweile Methode. Am Ende der letzten Staffel sprach man ja schon das Verbot aus, niemals wieder über den Sporenantrieb und die Discovery samt Besatzung sprechen zu dürfen. Als talentloser Autor mag Kurtzman das für plausibel halten. Aber das ist es nicht. Das gleiche Spiel bei Picard: Weil Androiden bestimmter Bauart rebellierten, wurde gleich alles positronische Spielzeug verboten. Völlig egal, wie nützlich das vorher war. Den Engelssanzug hat man nun auch lieber schnell über den Jordan gehen lassen. Effektiv handelt es sich dabei zwar um kein Verbot, aber es folgt derselben Methode: Was dem Stand der Dinge widerspricht und noch hätte nützlich sein können, muss weg.

Discovery Staffel 3 Review: Die Voyager war im 24. Jahrhundert schon weiter

Aber noch mal zu den Alternativen des Warpantriebes. Bereits im 24. Jahrhundert öffnete man geodätische Falten, um mit der Voyager zu kommunizieren. Durchfliegen konnte man nur deswegen nicht, weil es noch keine Schilde gab, die stark genug wären, die Besatzung vor der Verstrahlung zu schützen. Noch in Star Trek: Picard hatten die Borg die Trajektor-Technologie adaptiert. Tattergreis Picard beamt sich damit auf einen Lichtjahre entfernten Planeten. Warum sollten all diese Technologien nun ausgerechnet mit steigendem Fortschritt verschwinden? Ich kapiere das nicht.

Und selbst wenn, ist es irgendwie doof, dass nur noch ein paar Irre an die Föderation und Sternenflotte erinnern und sie fast schon religiös eifernd anbeten. Die Sternenbasis, auf der dieser August einsam und verlassen hockt, hätten doch längst andere betreiben können. Er weiß nur noch von zwei existierenden Föderationsschiffen, weil er nicht weiter als ein paar Hundert Lichtjahre gucken kann? Langstreckensensoren sind seit Jahrzehnten kaputt? Er nimmt daher auch nur an, dass einsame Irre wie er an anderen Orten ausharren und man nur alles wieder zusammenbringen muss? Nutz‘ doch einfach die Langstreckenkommunikation, du Vogel! Aber die scheint vor 120 Jahren auch irgendwie kaputt gegangen zu sein. Dabei hat man sich sonst allen möglichen High-Tech-Kram erhalten.

Burnham als Gottheit der Föderierten?

Ich lasse mich in den kommenden Episoden gerne eines Besseren belehren, aber bisher ist alles nach typischer Kurtzman Art miteinander verspachtelt. Das heißt vor allem dünn. So dünn, wie ich mit dem besten Abführmittel nicht … ihr wisst schon. Sollten wirklich alle nur den Kopf in den Sand gesteckt haben, weil ihnen der Erlöser fehlt? Langsam ist es mit der Vergottung der Michael Burnham aber mal gut, Alex!

Abschließend noch ein paar Worte zur Optik. Taschentransporter und allen anderen Schnickschnack hat man, trotz Zusammenbruch der Föderation, kurioserweise noch. Wirklich fortschrittlich wirkt das mit Blick auf den bereits im 23. Jahrhundert von Kurtzman eingeführten Zauber natürlich nicht mehr. Da kann Burnham noch so bedröppelt wie ein Neandertaler gucken, der zum ersten Mal ein Smartphone sieht. Für wahrnehmbare stilistische Unterschiede zwischen den Jahrtausenden bedienten sich Kurtzman und seine Schranzen zuvor bereits zu großzügig am Marvel-Universum.

Ein Fazit spare ich mir, weil das Bettchen ruft und es wohl sinniger ist, mindestens die ersten beiden Folgen geguckt zu haben. Was ich aber schon sagen kann: Den Piloten von Andromeda fand ich trotz des 2000er-Trashfaktors stimmiger als diesen Staffelauftakt hier. Da ging es auch um eine Art untergegangene Föderation, nur hatten die Autoren damals noch keine Komplexe und – oh Schreck – eigene Ideen. Kann man sogar kostenlos auf Amazon gucken.

Discovery Staffel 3 Review: Die Rechte an Star Trek liegen selbstredend bei CBS.

4 Kommentare zu „Review zum Auftakt von Star Trek: Discovery Staffel 3: „That Hope Is You/ Ein Zeichen der Hoffnung, Teil 1“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.