Jürgen Prochnow ist der neue John Rambo

Hollywood-Schauspieler Jürgen Prochnow leiht Silvester Stallone in der deutschen Fassung von Rambo: Last Blood als Hauptprotagonist seine Stimme. Der Hintergrund ist zwar ein trauriger Anlass. Prochnows Einsatz als Synchronsprecher ist dennoch bemerkenswert – und das in zweifacher Hinsicht. Stallone-Fans sollten zufrieden sein.

Wer Filme in der deutschen Synchronfassung schaut, wo ja zumindest im Kino meist kein Weg dran vorbeiführt, dürfte mit Thomas Danneberg bestens vertraut sein. Mit dem Namen allerdings weniger als mit dessen Stimme. Auf der Leinwand sieht man Größen wie Arnold Schwarzenegger, Silvester Stallone, John Travolta oder Dan Aykroyd – doch alle hört man seit Jahren mit Dannebergs Stimme.

Synchronlegende Danneberg

Danneberg ist seit einem halben Jahrhundert im Synchrongeschäft und war bis vor kurzem, trotz seines Alters von inzwischen 77 Jahren, einer der vielbeschäftigten Sprecher. Danneberg wurde sogar die Ehre zuteil, sowohl Stallone als auch Schwarzenegger in der Expendables-Reihe zu synchronisieren. In der deutschen Fassung wird in solchen Fällen sonst bei einem der Schauspieler umbesetzt. Nicht so beim wandlungsfähigen Thomas Dannberg. Als man es in Escape Plan später trotzdem tat, waren nicht nur Zuschauer empört, sondern auch Danneberg selbst.

Vor einem halben Jahr werden sich viele gewundert haben. Obwohl Danneberg den Trailer zu Creed 2 bereits synchronisiert hatte, klang Stallone in seinem letzten Auftritt als Rocky Balboa unvertraut. Auch wenn es damals einen kleinen Aufschrei gab: Rockys Stimme war nicht gänzlich unvertraut. Dem Verleih gelang damals das Kunststück, Jürgen Prochnow für eine Synchronisation zu verpflichten. Prochnow dürfte vielen noch als Kommandant aus Das Boot ein Begriff sein. Seither sah man ihn häufiger in Hollywood-Filmen; zuletzt in Ein verborgenes Leben.

Jürgen Prochnow als Coup

Auch als Synchronsprecher konnte man ihn schon einige Male hören. Vor allem auf sich selbst in den deutschen Versionen seiner Filme. Ansonsten besetzte man ihn 1991 ein einziges Mal auf Alec Baldwin. Außerdem, das ist das Besondere an der neuerlichen Verpflichtung, konnten ihm deutschsprachige Zuschauer als ursprünglichen Sprecher von Silvester Stallone in den ersten beiden Rocky-Filmen lauschen. Diese Besetzung ist jetzt über 40 Jahre her; die Filme stammen aus den Jahren 1976 und 1979. Ebenfalls zum Einsatz kam er in Stallones heute eher unbekannten und ebenso weit zurückliegenden Auftritten in Vorhof zum Paradies sowie F.I.S.T. – Ein Mann geht seinen Weg.

Insofern ist die erneute Besetzung in der Gegenwart gleich in zweifacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen, weil man nach 40 Jahren Danneberg Stallones ursprüngliche deutsche Stimme verpflichten konnte. Und zum anderen, weil es sich dabei um einen Hollywood-Schauspieler handelt, der seit ewigen Zeiten nichts mehr mit Synchronisation am Hut hatte – abgesehen von seinen eigenen Auftritten.

Dieser Coup gelang nun auch den Verantwortlichen der Synchronisation von Rambo: Last Blood. Im Trailer ist Prochnow jedenfalls als John Rambo zu hören und es würde mich wundern, wenn sich daran bis zum Film, der im September über die Leinwände flimmert, noch etwas ändert. Thomas Danneberg weilt zwar noch unter den Lebenden, soll aus gesundheitlichen Gründen aber nicht mehr synchronisieren. Daher wurde er auch auf Terence Hill in der vierten Staffel von Die Bergpolizei nicht mehr besetzt. Dort vertont ihn jetzt allerdings nicht Prochnow, sondern Wolfgang Condrus, bekannt als deutsche Stimme von Ed Harris.

Die vielen Nachfolger des Thomas Danneberg

Doch zurück zu Stallone: In der zuletzt in Deutschland direkt auf Blu-Ray und DVD erschienenen Low-Budget-Produktion Backtrace hört man leider weder Jürgen Prochnow noch Thomas Danneberg. Hier kommt ein völlig unpassender Axel Lutter zum Einsatz. Der klingt, zumindest meiner Meinung nach, viel zu behäbig für den zwar in die Jahre gekommenen, aber immer noch gut austeilenden Action-Star. Prochnow wiederum trifft den harten Ton der Vorlage gut. Auch das leicht altersmüde Hauchen, das Danneberg in den letzten Jahren transportierte, kommt in der deutschen Fassung durch Prochnows Spiel zur Geltung. Macht euch am besten selbst ein Bild: Ihr findet den Trailer weiter unten.

Bei Schwarzenegger, der im Oktober wieder in seiner Paraderolle als T-800 zu sehen sein wird, hoffe ich allerdings noch auf Thomas Danneberg – gute Besserung an der Stelle. Sollte er tatsächlich nicht mehr zur Verfügung stehen, sollte man es mit Rüdiger Bahr versuchen. Der klingt Danneberg recht ähnlich und hätte, da er seit Jahren eigentlich nur noch Ed O’Neill und ab und an mal Ted Danson spricht, wie nun Prochnow auf Stallone keine Allerweltsstimme. Prochnow auf Schwarzenegger könnte ich mir allerdings nicht vorstellen. Der kommt bei Stallone zwar gut vom Gesicht und wurde besetzt, weil er es früher schon mal gewesen ist, würde bei Schwarzenegger, den Danneberg immer etwas quirliger anlegte, jedoch nicht funktionieren. Ein Stimmdouble wie Bahr wäre mir an der Stelle also lieber.

Der O-Ton bietet sich natürlich als Alternative an. Der wird in meinem Kino jedoch nur selten angeboten und damit bin ich in Deutschland nicht allein.

Zusätzliche Bildnachweise: Warner Bros. und F. Schumann. Montage durch mich.

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