Star Trek: Picard als Comic – In Countdown #1 bleiben viele Fragen offen

Ich habe mir den ersten Comic zu Star Trek: Picard angesehen. Countdown #1 ist reichlich dünn, endet mittendrin und lässt viele Fragen offen. Dennoch bietet er ein paar interessante Fakten. So kommandiert Admiral Picard nicht länger die Enterprise, sondern die U.S.S. Verity.

Der Comic Star Trek: Picard – Countdown soll eine Erklärung dafür liefern, warum Jean-Luc Picard seine Uniform an den Nagel gehängt hat. Im Groben war man ja schon einigermaßen im Bilde. Die Zerstörung von Romulus, die schon in Abrams‘ Reboot-Film aus dem Jahr 2009 Thema war, hat bei Jean Luc Picard ihre Spuren hinterlassen. Was man an der Stelle wissen sollte: Es gab vor zehn Jahren schon einmal einen Countdown-Comic, der die Ereignisse etwas anders dargestellt hat und mit der neuen Bildgeschichte überschrieben wird.

Das ist aber gehupst wie gesprungen, da Star Trek begleitende Medien anders behandelt, als es Star Wars tut. Comics, Bücher und Videospiele gehören nicht zur offiziellen Geschichtsschreibung, selbst wenn sie Serien- und Filmbeteiligte texten. Das gilt folglich auch für den neuen Countdown-Comic. Dennoch sollte er für eingefleischte Trekkies nicht ohne Bedeutung sein. Kirsten Beyer hat an ihm mitgeschrieben und von ihr stammt ja auch die Idee zur Picard-Serie.

Picard Comic auf drei Hefte verteilt

Leider ist die Veröffentlichungspolitik etwas eigenwillig, denn Star Trek: Picard – Countdown erscheint dreigeteilt. Die erste Ausgabe kann man schon heute digital bei Amazon im englischen Original kaufen. Während der zweite Teil für Dezember geplant ist, kommt das dritte Heft erst im Januar auf den Markt. Eine deutsche Gesamtveröffentlichung soll sogar erst im Juni folgen, sofern Amazon den korrekten Release-Termin nennt. Da die Streaming-Serie im Januar startet, ist das für eine Vorgeschichte viel zu spät.

Andererseits habe ich nicht den Eindruck gewonnen, dass man etwas verpassen würde. Die Handlung des ersten Hefts passt nämlich locker auf eine DIN A4-Seite. Picard, mittlerweile Admiral, soll an Bord der U.S.S. Verity dafür Sorge tragen, dass die Romulaner rechtzeitig evakuiert werden. Von der anstehenden Supernova wissen sie schon seit vier Jahren, haben es gegenüber der Föderation aber erst zugegeben, als man sie mit ihrer eigenen, heimlich abgefangenen Kommunikation konfrontierte. Nobel wie die Föderation ist, entsteht bei Geordi La Forge nun eilig eine Rettungsflotte. Die Zeit rennt und keiner weiß, ob sie rechtzeitig fertig wird.

Supernova kurios

Warum die Rettungsmission darin besteht, ganze Welten zu evakuieren, wird zumindest in Teil 1 nicht aufgeklärt. Eine Supernova sollte sich eigentlich auf das Heimatsystem der Romulaner beschränken und nicht über Dutzende Lichtjahre wüten. Außerdem kommt es mir seltsam vor, dass die Romulaner der Föderation selbst nach beschlossener Kooperation noch grundsätzliche Details verheimlichen. Ja, die Romulaner sind ein verschlagenes Völkchen. Aber ohne Picards Hilfe steht ihnen ganz offensichtlich die Auslöschung bevor. Da sollten selbst die heimlichtuerischen Grünblüter mal einsichtig sein.

Die Idee, dass es sich bei der U.S.S. Verity NCC-97000 um ein Raumschiff der Odyssee-Klasse handelt, ist ein netter Wink Richtung Gaming-Community. Sie kennt die Klasse aus Star Trek: Online, wo sie vor einigen Jahren schon als Enterprise-F in einem Fanwettbewerb ausgeschrieben wurde. 2385 sollte sie eigentlich noch nicht im Dienst sein, aber wie gesagt: Weder Comic noch Spiele sind Teil des offiziellen Kanons. Auf solche Details kommt es also nicht an.

Serienfigur aus Star Trek Picard im Comic eingeführt

Mit Lieutenant Commander Raffi Musiker wird im ersten Teil eine Hauptfigur eingeführt, die in der Serie von Michelle Hurd gespielt wird. Die ausgewiesene Expertin für Romulaner dient Picard auf der Verity als erster Offizier, nennt ihn frech JL und trägt kurioserweise eine gelbe Uniform.

Man kleidet sich auch nicht länger in den eigentlich hervorragend gealterten Monturen aus Star Trek: Nemesis, sondern in einer neuen, wieder etwas farbenfroheren Variante. Picards Version hatte CBS schon vor einigen Wochen offiziell vorgestellt. Ganz einordnen kann man das Ganze aber nicht. In der Animationsserie Lower Decks, die ebenfalls kurz nach den Ereignissen von Nemesis spielen soll, wird es wieder andere Pölter geben. Zum Zeitpunkt der Serie, an der Schwelle zum 25. Jahrhundert, ist es erneut eine andere Variante. Klarheit kommt womöglich mit dem Mini-Episoden-Format Short Treks. Bisher wurden dort Nebenplots zu Star Trek: Discovery aufgemacht, einer davon soll sich aber auch um Jean-Luc Picard drehen.

Als internationaler Zuschauer kann man nach wie vor nur mutmaßen, wo und wann der Short Trek um Jean-Luc Picard ausgestrahlt wird. Auf Netflix, wo man die erste Staffel in der Trailer-Sektion zu STD aufrufen kann, dürften sie kaum zu finden sein. Star Trek: Picard läuft nämlich bei Amazon Prime.

Handlung endet mittendrin

Doch zurück zum Comic. Viel hat er mir bisher nicht gebracht. Er endet mittendrin, kurz nachdem Picard auf eine bisher geheim gehaltene Kolonie der Romulaner beamt. Außerirdische Sklavenarbeiter bauen dort romulanische Weinsorten an und zu Picards Entsetzen sollen diese, anders als ihre Herrscher, nicht evakuiert werden. Offiziell hat die erste Ausgabe 32 Seiten – die letzten zehn sind aber zusammenhanglose Zeichnungen und Werbung für einen anderen Comic.

Nerds wird immerhin aufgefallen sein, dass Geordi La Forge ein Modell der Enterprise-E in seinem Büro stehen hat und Picard erwähnt, dass sich das Schiff in guten Händen befindet – ohne darauf genauer einzugehen. Im ursprünglichen Countdown-Comic von 2009 war es ein wiederbelebter Data. Doch der scheint in der Serie nur noch in Picards Erinnerung zu existieren.

Kaufen oder nicht kaufen

Kuriosität am Rande: Das Symbol des Sternenflottenkommandos, das kurz auf einem Display eingeblendet wird, entspricht dem aus Star Trek: Discovery, nicht der ursprünglichen Okuda-Version aus dem 24. Jahrhundert. Dafür haben Andorianer wieder Augenbrauen; Romulaner dezente Stirnwülste und einen Grünstich.

Mal sehen, ob ich mir Countdown #2 und #3 auch noch kaufen werde. Wirklich viel Inhalt hatte der erste nicht. In der Serie werden die Ereignisse sicherlich auch in ein paar Nebensätzen abgehandelt – und wie ich CBS kenne drei Comics weiter schon wieder überschrieben. Doch der Nerd in mir bleibt neugierig.

Star Trek: Picard startet hierzulande am 24. Januar 2020 auf Amazon Prime.

Zusätzliche Bildnachweise: IDW Publishing, CBS

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