Seven of Nine in Star Trek: Picard – Plötzlich lesbisch ist ein böses Klischee

In Star Trek Picard ist Seven of Nine aus Voyager überraschend lesbisch beziehungsweise bisexuell. Das mag gut gemeint sein, um die sexuelle Vielfalt zu betonen, bedient jedoch auch ein homophobes Klischee. Man wechselt die Sexualität schließlich nicht wie seine Unterwäsche …

Jungs oder sagen wir 90 bis 95 Prozent aller Jungs (und umgekehrt fünf bis zehn Prozent aller Mädels), die um die Jahrtausendwende zur Geschlechtsreife gelangten, werden Seven of Nine nicht nur deswegen als spannende Figur wahrgenommen haben, weil ihre Menschwerdung so vielfältig erzählt wurde. Jeri Ryan war nun mal ein heißer Feger. Die meisten der damaligen Zuschauer dürften eine feste Vorstellung von der sexuellen Orientierung der Figur gehabt haben.

Seven of Nine in Picard lesbisch: Wer keinen Bock auf Text hat, kann runterscrollen und den Beitrag als Video gucken. Inhaltlich sind beide Beiträge fast identisch.

Als Voyager zu Ende ging, entwickelte sich gerade etwas zwischen Seven und Chakotay. Davor hatte sie mit Axom eine Liebesbeziehung in der Unimatrix Zero und es knisterte auch immer mal wieder zwischen ihr und dem holografischen Doktor. Die meisten hätten damals wohl die Beziehung zwischen Seven und dem medizinisch-holografischen Notfallprogamm gern vertieft gesehen. Allerdings sollte dieser Wunsch niemals in Erfüllung gehen.

Holodoc geht leer aus

In Star Trek: Picard ist Seven nun weder mit Chakotay noch mit dem Holodoc zusammen. Vielmehr erfahren wir, dass die ehemalige Borg-Drohne bereits vor langer Zeit mit einer geistesgestörten Irren zusammen war, die Menschen und andere Spezies zu ihrem eigenen Vorteil ausschlachtet. Die Betonung liegt auf der weiblichen Form, denn Seven hat offenbar die sexuelle Orientierung gewechselt. Am Ende der Serie sieht man sie dann Händchen haltend mit der ebenfalls weiblichen Raffi Musiker. Spätestens damit steht fest: Seven of Nine steht auf Frauen.

Ich finde es grundsätzlich gut, dass homosexuelle Charaktere in Serien so normal wie heterosexuelle geworden sind, so lange man nicht so tut, als sei die halbe Welt entweder schwul oder lesbisch. Doom Petrol hat das Thema Selbstverleugnung zuletzt ganz hervorragend verarbeitet und auch Batwoman als lesbische Hauptfigur stößt bei mir nicht auf Widerstand. Star Trek: Discovery finde ich zwar grottenschlecht geschrieben, aber an Stamets als schwulen Charakter habe ich nichts auszusetzen.

Plötzlich lesbisch: Leider auch ein Klischee

Eine heterosexuelle Figur plötzlich lesbisch werden zu lassen, widerstrebt mir allerdings. Damit begeben sich die Verantwortlichen von Star Trek: Picard nämlich auf ein Minenfeld. Sulu-Darsteller George Takei brachte es vor einigen Jahren auf den Punkt, als man aus seiner Figur in Beyond einen Homosexuellen machte. „Seid kreativ und erschafft einen neuen Charakter, der schwul ist, statt Sulu, der immer hetero war, auf einmal als schwul zu outen.“

Nun ist George Takei selbst schwul und ein schwuler Sulu sollte eine Hommage an den Schauspieler sein. Die Produzenten hatten sich dabei über den ausdrücklichen Wunsch, es nicht zu tun, über den Darsteller und Aktivisten hinweggesetzt. Heteros schienen offenbar der Meinung zu sein, sie müssten einen Homo in puncto Schwulsein belehren.

Sulu-Darsteller war unglücklich

Warum sich ausgerechnet Takei damals empört hat? Es ging um das Klischee, man könne sich seine Sexualität aussuchen, quasi abstreifen wie eine Unterhose. Und einen etablieren Charakter plötzlich schwul zu machen, spielt mit genau diesem Klischee. Wer plötzlich schwul ist, kann auch wieder plötzlich hetero, plötzlich normal sein.

In den USA sind fundamentalistische Christen keine ganz unbedeutende Minderheit. Daher kommt dem Klischee der wechselnden Sexualität dort eine besondere Bedeutung zu. Prediger versteigen sich mitunter zur These, dass Naturkatastrophen Folge homosexueller Umtriebe sind. Ganz offiziell bieten religiöse Gruppierungen sogenannte Konversionstherapien an. Sie halten Homosexualität für anerzogen und vertreten die Überzeugen, man könne sie Menschen austreiben wie einen Dämon.

Vielleich schon immer bi, aber …

Um zurück auf Seven of Nine zu kommen. Natürlich kann man argumentieren, dass die ehemalige Borgdrohne schon immer eine bisexuelle Ader hatte. Dass sie sie in den vier Jahren, in denen sie auf der Voyager ihre Menschlichkeit erfand, nur noch nicht entdeckte. Unglücklich ist das Thema dennoch. Eben weil Zuschauer eine feste Vorstellung von der bereits in den 90er-Jahren etablierten Figur hatten.

Eine auf Frauen stehende Seven wird bei Zuschauern, die damals ein Poster von ihr über dem Bett hängen hatten, zwangsläufig anecken. Den Ärger über die Neuausrichtung der Rolle werden am Ende aber nicht die Produzenten, sondern Homosexuelle zu spüren bekommen. Sie werden es sein, denen man wirre Thesen vor den Kopf wirft; die Medien zu dominieren und Charaktere zur poltisch-korrekten Umerziehung zu vereinnahmen.

Dabei hätte man der Kontroverse so leicht aus dem Weg gehen könnten. Hätte man Raffi Musiker und Dr. Jurati zusammengebracht – vermutlich hätte kein Hahn danach gekräht.

Alle Rechte an Star Trek liegen natülich bei CBS. Zusätzliche Bildnachweise:

3 Kommentare zu „Seven of Nine in Star Trek: Picard – Plötzlich lesbisch ist ein böses Klischee

  1. Ja, wer weiss. Vielleicht ist es für Seven ja genz normal und selbstverständlich. immerhin war sie als Borgdrohne mit vielen Spezies und Geschlechtern verbunden so dass für sie einfach nur die Persönlichkeit relevant ist und nicht das Geschlecht oder die Spezies.

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