Die SSD aus der Schublade

Wer seinen Rechner schon früh mit sogenannten SSDs ausgerüstet hat, wird die ersten inzwischen in der Schublade vergammeln lassen. Sie beschleunigten den PC damals sensationel. Doch die seinerzeit finanzierbare Erstausstattung ist lächerlich klein geworden. Schrottreif macht sie das allerdings nicht.

Der Kauf meiner ersten SSD liegt jetzt über acht Jahre zurück. Es war eine Crucial C300, eines der ersten Modelle für den SATA3-Anschluss, auch wenn sie dessen Geschwindigkeit noch nicht voll ausreizen konnte. Den Kauf hatte ich mir damals lange überlegt. 200 Euro für schlappe 128 Gigabyte waren kein Pappenstiel. Außerdem brachte es einem in Spielen ja nichts, abgesehen von schnelleren Ladezeiten vielleicht. Aber dafür als kleiner Student so viel Geld ausgeben?

Raus mit der antiken Rüttelplatte

Schlussendlich überzeugten mich die Verheißungen auf ein völlig neues Arbeitsgefühl. Es reiche ja schon, wenn man Windows drauf installiert zusammen mit allen wichtigen Anwendungen, so damals die offizielle Empfehlung. Der Schreib-/Lesekopf einer Festplatte, der noch ganz antik Speicherplatten abgrast, benötigt immer einen winzigen Moment, bis er den jeweiligen Datensatz ansteuern. Mikroverzögerungen quasi, die bei einem auf Speicherzellen basierten Datenträger vom Tisch fallen.

In der Praxis fühlte sich alles wirklich wesentlich runder an. Auch kein Aufdröhnen der Festplatte mehr und kein nach Kehlkopfkrebs klingendes Rasseln – zumindest solange ich bei Daten blieb, die ich auf der SSD installiert hatte. In dem Fall schaltete die Festplatte sogar in den Ruhemodus und es herrschte echte Stille. Das kannte ich so vorher nicht. Silent-Lüftern und teuren Aufrüstkühlern zum Trotz. So wurde ich schnell zum Fanboy und beschloss, die Festplatte zügig zu verbannen. Obwohl die Preise für 120 GByte immer noch bei 180 Euro lagen, kaufte ich mir noch im selben Jahr eine zweite SSD. Die Festplatte verfrachtete ich in ein externes Gehäuse, das ich nur noch bei Bedarf anschloss. Es dauerte eine Weile, bis die Preise spürbar nachließen. 200 Euro für 250 Gigabyte – das empfand ich damals als Schnäppchen und griff wieder zu. Eines schönen Tages gönnte ich mir für das Geld eine erneut doppelt so große SSD. Letztes Weihnachten, als die knapp 500 Gigabyte große Crucial MX 500 zeitweise nur 65 Euro kosteten, ließ ich mich abermals nicht lumpen.

SSD als USB-Stick

Mittlerweile habe ich genug SSD-Speicher für meine Zwecke und die ersten Modelle auch schon ausgemustert. Die C300 sitzt nun im Laptop auf ihrem Altenteil. Eine 250 Gigabyte große SSD 840 von Samsung lag länger in der Schublade. Inzwischen habe ich sie zum externen Laufwerk umfunktioniert, was mir aus mehreren Gründen sinnvoll erschien. Mein Vorrat an USB-Sticks hatte sich zuletzt etwas erschöpft. Mehrere hatte ich vergeben, der an meinem Schlüsselbund war unbenutzbar verbogen und die alten Dinger, die ich sonst noch mein Eigen nenne, taugten mangels Größe auch nicht wirklich zur Sicherung größerer Datenmengen. Erst wollte ich einen neuen Stick. Für einen Zwanziger bekommt man heute bei Amazon Brauchbares mit satten 128 Gigabyte. „Bis zu 100 MB/Sek“ liest sich, USB 3.0 vorausgesetzt, auch alles andere als übel. Aber das hatte ich ja alles noch in der Schublade. Ich brauchte nur ein Gehäuse und schon besaß ich den besseren USB-Stick. Gängige Cases im 2,5-Zoll-Format gibt es schon für einen Zehner. Wer es noch billiger haben will, kann sich einen SATA-USB-Adapter schnappen und die alten Schätzchen für wenige Euro wieder nutzen.

Einfach alles zusammenstecken und fertig ist der bessere USB-Stick

Das Gehäuse, das sich benutze, ist so konzipiert, dass man es werkzeuglos aufschieben kann. Hilfreich, wenn man gleich mehrere alte Laufwerke im Wechsel nutzt. Ein reiner Adapter wäre noch einfacher, ist aber von Nachteil, wenn man das Laufwerk häufiger transportiert. Mit der Kompaktheit eines USB-Sticks können beide natürlich nicht mithalten. Ein weiterer Pluspunkt ist die Geschwindigkeit. Wobei man das Thema generell mit Vorsicht genießen muss. Die Angaben auf USB-Sticks sind in der Regel weit von den Praxiswerten entfernt. So sinkt beispielsweise die Geschwindigkeit, wenn man viele kleine, anstatt einzelne große Dateien überträgt. 100 MByte pro Sekunde sind als „bis zu“-Angabe völlig praxisfern.

Sticks sind lahm

SSDs kommen ihren kolportierten Angaben schon näher, obwohl es auch da einen Unterschied macht, ob man große Dateien überträgt oder viele kleine und ob die nun gelesen oder geschrieben werden. Angaben wie „550 MByte/Sekunde lesend“ beziehen sich lediglich auf das sequentielle, d.h. zusammenhängende Lesen. Trotzdem kommen im Vergleich zu USB-Sticks in der Praxis noch hervorragende Werte raus. Meinen Origin-Ordner habe ich testweise auf die externe SSD gezogen. Die meiste Zeit lagen dabei über 200 MB in der Sekunde (schreibend) an. Das passt sogar noch in die Limits des bei mir etwas in die Jahre gekommenen USB-Anschlusses. Die Version 3.0 (inzwischen mehrfach umbenannt, aber die Namen kann sich keiner merken) erreicht in der Praxis Pi mal Daumen 450 MB in der Sekunde. Da wird so schnell nichts ausgebremst. Leider liegt mir kein entsprechender Stick vor, aber es würde mich arg wundern, wenn der schreibend auf 50 MB die Sekunde gekommen wäre.

Links: ein Datenraten testender Benchmark. Rechts: Das Verschieben eines Spieleordners

Ein weiterer Vorteil der SSD gegenüber USB-Sticks liegt gewiss auch in der Haltbarkeit. SSDs sind auf den Dauereinsatz in PCs ausgelegt und sollten, auch wenn sie zuvor lange im Einsatz waren, noch einige Zeit halten. Andererseits spielt das im Alltag keine Rolle. Wer ab und an ein paar Daten sichert oder sie mit Freunden tauscht, lässt auch einen USB-Stick nicht beizeiten über den Jordan gehen. Beide verkraften erfahrungsgemäß auch Stürze aus größerer Höhe. Bei einer mechanischen Festplatte wäre ich mir da nicht so sicher.

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